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Jugend in der DDR

 

Die Jugend in der DDR sollte eng an den Staat und die sozialistische Ideologie gebunden werden.1946 – sozusagen in den Trümmern – wurde die SED-Jugendorganisation „Freie Deutsche Jugend“, kurz „FDJ“ gegründet. 1948 kam noch die Organisation für die jüngeren Kinder „ Junge Pioniere“ unter Margot Honecker, der Frau des damaligen FDJ-Vorsitzenden Erich Honecker, hinzu. Der FDJ gehörten über 90 Prozent aller Schüler an. Entzog man sich, konnte das Konsequenzen für die berufliche Zukunft haben. In der Jugendorganisation sollte die „sozialistischen Persönlichkeit“ ausgeprägt werden.Die Jugend der DDR sollte auf sozialistischen Kurs gebracht werden. Der erste FDJ-Vorsitzende und spätere Staatsratsvorsitzende Erich Honecker lehnte sich eng an die sowjetische Jugendorganisation Komsomol an. Um die Parteinahme für den sozialistischen Staat zu stärken, wurden Kundgebungen veranstaltet. In Gedenkfeiern, wurde die antifaschistische Haltung gefestigt. Bis zum Tod Stalins 1953 wurden die Jugendlichen in den Personenkult um den sowjetischen Führer einbezogen. Nach diesem Muster wurde die DDR-Jugend zur Loyalität zu Walter Ulbricht, dem Ersten Sekretär der SED, erzogen. In vormilitärischen Spielen wurde antiwestliche Haltung eingeübt. Hier schießen DDR-Jugendliche mit Pfeil und Bogen auf Zielscheiben mit dem Bild von Bundeskanzler Konrad Adenauer. In Kampagnen und sogenannten freiwilligen Schichten wurde die FDJ bei großen Bauprojekten eingesetzt. Hier FDJ-Vorsitzender Erich Honecker am Prestigeprojekt Stalinallee in Berlin.1950 wurde in Berlin das „Walter-Ulbricht-Stadion“ in Rekordzeit gebaut. Die FDJ schob Sonderschichten.Im Sommer 1951 fanden dort die Weltjugendfestspiele zum ersten Mal in der DDR statt. 26.000 Delegierte aus 104 Ländern nahmen teil. DDR-Präsident Wilhelm Pieck und der italienische Kommunistenführer Enrico Berlinguer eröffneten die einwöchigen Spiele.Der Zweite Weltkrieg war noch nicht lange vorbei. Der neue deutsche Staat konnte sich als „friedliebend“ präsentieren. Die Völkerverständigung und der Aufbau des Sozialismus standen im Mittelpunkt aller Veranstaltungen. Während der Spiele reisten FDJ-ler nach West-Berlin und verteilten Flugblätter. Die West-Berliner Polizei schlug diese kommunistische Demonstration mit Gummiknüppeln erbarmungslos nieder. Es gab viele Verletzte. Eine Extrem-Reaktion im Zeichen des Kalten Krieges. Für die Jugendlichen wurde eigens eine Zeitung begründet, die „Junge Welt“. In diesem „Zentralorgan der FDJ“ wurde die sozialistische Lebensweise propagiert.Seit 1955 wurden die Jugendlichen mit 14 Jahren in der „Jugendweihe“ in das Erwachsenenleben eingeführt. Es sollte eine Alternative zu den kirchlichen Ritualen der Firmung oder Konfirmation sein. Die Jugendweihe ist auch heute noch in veränderter Form im Osten Deutschlands populär.Ab den 60-er Jahren, verstärkt ab den 70-er Jahren orientierten sich viele Jugendliche in der DDR am Lebensstil der Jugendlichen im Westen. Äußeres Kennzeichen waren längere Haare und Jeans. Auch westliche Musik, z.B. von den Beatles, den Rolling Stones oder von Bob Dylan gewann an Einfluss. Diese Änderungen wurden zunächst von der SED-Führung stark bekämpft. Es blieb ihr aber nichts anderes übrig, als sie im Laufe der Jahre zu tolerieren.Jeans waren nicht mehr verboten und wurden in der DDR-Textilproduktion sogar nachgeahmt. Trotzdem blieben echte Jeans aus dem Westen unschlagbar. Sie wurden unter allen Umständen beschafft.Bei den Weltjugendspielen 1973 in Ost-Berlin erreichten die Freiheiten für die Jugend einen gewissen Höhepunkt. Zugleich diente das Treffen der Jugend aus aller Welt einer positiven Selbstdarstellung der DDR.Eine Woche lang feierten 25.000 junge Menschen im Geiste des Sozialismus rund um die Uhr. Teilnehmer sprachen rückblickend vom „Woodstock des Ostens“. Gerade hatte in den USA das legendäre Woodstock-Festival stattgefunden. Außerdem herrschte seit dem Amtsantritt von Erich Honecker Aufbruchstimmung in der DDR. Bei den Weltjugendspielen gab es viel Musik und politische Diskussionen. Im Mittelpunkt standen Solidaritätsbekundungen mit den Nordvietnamesen, die noch gegen die USA kämpften, und für das damals sozialistische Chile unter Präsident Salvador Allende. Eine westdeutsche sozialistische Jugendorganisation überreichte einen Scheck über 100.000 Dollar für ein Kinderkrankenhaus in Vietnam.Im Laufe der DDR-Geschichte traten immer wieder Jugendliche in Opposition zum Regime. 1968 waren auch Jugendliche in der DDR begeistert vom „Prager Frühling“. Der tschechoslowakische Parteichef Alexander Dubcek hatte den Kommunismus zu einem „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ geöffnet. Die Sowjetunion und ihre Verbündeten marschierten ein und unterdrückten diese Reform. DDR-Jugendliche, die dagegen protestierten, wurden teilweise zu Haftstrafen verurteilt.Im Laufe der 80er-Jahre spielten Friedens- und Umweltfragen eine große Rolle: Warschauer Pakt und Nato rüsteten in hohem Maße auf. Die Verschmutzung durch die staatlichen Betriebe in der DDR zeigten immer größere Auswirkungen auf die Umwelt. Jugendliche schlossen sich der Umwelt- und Friedensbewegung an, die sich im Schutzraum der Kirchen organisieren konnte. Aus dieser Bewegung erwuchs der Protest und die Forderung nach Bürgerrechten, die 1989/90 in die„Friedliche Revolution“ mündeten und das Ende der DDR herbeiführten.

Länge: 00:09:03 | O-Ton: ja | Farbe: ja | Jahr: 1946-1989 | Clip-ID: JugendinderDDR_HV

 

 

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Clip zum heutigen Jahrestag

13. Juli 1941 // Offensivbündnis Deutschland-Japan
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